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Viele Schriftsteller schreiben unter Pseudonym. Warum? / Литературные псевдонимы

Letzte Zeit gibt es viele Diskussionen über Pseudonym von Elena Ferrante. In der “Süddeutsche Zeitung“ habe ich neulich einen Artikel über die Motive, ein Pseudonym zu verwenden, gelesen.

Anbei meine kurze Zusammenfassung.


Elena Ferrante
schrieb den Bestseller "Meine geniale Freundin", der gerade auf Deutsch erschienen ist. Entschied sich 1992 für die Anonymität. Lebt in Neapel. Ist nicht nur das Buchereignis des Jahres, sondern war bis vor Kurzem auch das bestgehütetste Geheimnis des Literaturbetriebs.
Motiv: Hier meine Romane, aber lasst mich bitte in Ruhe!
Wirkliches Motiv: Der beste Marketing-Gag aus der Welt der Literatur seit Jahren: eine Frau, die eine Besteller-Tetralogie schreibt und sich nicht zeigen will.
Wirklicher Name: ??
Obwohl in der SZ der Name genannt ist, ich werde diesen Namen nicht erwähnen. Der erste Roman der Schriftstellerin erschien in 1992, "Meine geniale Freundin" ist das vierte Buch. Meiner Meinung nach man muss ihre Motive respektieren.

Emil Sinclair
schrieb 1917 "Demian. Die Geschichte einer Jugend", bis heute Pflichtlektüre für junge Chaoten in Lebenskrisen. Wurde erst drei Jahre später enttarnt.
Motiv: eigene Lebenskrise
Wirkliches Motiv: Wollte testen, ob die Idioten von Lesern merken, wie gut er schreiben kann.
Wirklicher Name: Hermann Hesse


Novalis
erfand im Jahr 1800 das romantische Motiv der blauen Blume, mit dem bis heute Germanistik-Studenten gequält werden. Liebte Fragmente (von denen er einige schrieb) und die Waldeinsamkeit. Verfasste das Romanfragment "Heinrich von Ofterdingen". War erfüllt von der Sehnsucht und dem Streben nach Unendlichkeit.
Motiv: Uralter Beiname der Familie, der nicht vergessen werden soll: "De novali", der Neuland Bestellende.
Wirkliches Motiv: Romantiker
Wirklicher Name: Friedrich Freiherr von Hardenberg

Robert Galbraith
veröffentlichte im April 2013 den eher biederen Krimi "Der Ruf des Kuckucks", der sich in vier Monaten 1500 Mal verkaufte. Wurde von der britischen Sunday Times entlarvt.
Motiv: Wollte die männliche Seite in sich zum Schwingen bringen.
Wirkliches Motiv: Hilfe, wie entkomme ich dem Harry-Potter-Fluch?
Wirklicher Name: Joanne K. Rowling

Lewis Carroll
schrieb 1865 "Alice im Wunderland" und wurde auch dank der roten Königin ("Schlagt ihm den Kopf ab!") zum berühmtesten Kinderbuchautor seiner Zeit.
Motiv: War so furchtbar vielbeschäftigt (Schriftsteller, Fotograf, Mathematiker und Diakon), dass er mehrere Identitäten brauchte.
Wirkliches Motiv: Welches Kind soll sich bitte schön DIESEN Namen merken?!
Wirklicher Name: Charles Lutwidge Dodgson

Richard Bachman
schrieb seit Ende der Siebziger sieben durchaus erfolgreiche Krimis, Thriller und Psychothriller, wovon einer sogar mit Arnold Schwarzenegger verfilmt worden ist: "Running Man" (1987). Wurde enttarnt von einem Buchhändler, was die Bücher noch erfolgreicher machte.
Motiv: Wollte den Büchermarkt nicht mit seinem richtigen Namen überfluten.
Wirkliches Motiv: Mir ist so langweilig, dass ich pro Jahr gleich zwei Romane schreibe.
Wirklicher Name: Stephen King

Mary Westmacott
schrieb von den Dreißigern an sechs romantische Erzählungen, die tief in der menschlichen Psyche wühlen und auch Unappetitliches zutage fördern.
Motiv: Ich habe intime Dinge zu erzählen, die ich nicht unter meinem richtigen Namen veröffentlichen will.
Wirkliches Motiv: Meine Krimi-Fans hätten das eh nicht gecheckt.
Wirklicher Name: Agatha Christie

John le Carré
arbeitete bis 1964 beim britischen Geheimdienst MI5 und MI6, was ihm genug Material bescherte, den Rest seines Lebens Spionageromane zu schreiben. Kennzeichen: schlohweißes Haar, aber ziemlich bunte Fantasie.
Motiv: Wollte keinen Ärger mit seinem ehemaligen Arbeitgeber haben.
Wirkliches Motiv: Nichts verkauft sich im proletarischen England so gut wie ein französisierter Autor mit einem Schuss blauem Blut.
Wirklicher Name: David John Moore Cornwell


Nach dem Lesen des Artikels habe ich mich über die Auswahl von Beispielen gewundert – kein französischer Schriftsteller (ich habe sofort an Romain Gary und André Maurois gedacht) und kein russischer (das ist Politik, oder der Journalist ist ignorant).

Gründe für die Wahl eines Pseudonyms sind verschieden: von der Schutz vor Verfolgung in der Nazi-Zeit (wie bei Stefan Heym, oder Erich Kästner, der mehrere Pseudonyme verwendet um das Publikationsverbot zu umgehen) bis zu Verschönerung des Namens.

Ist das überhaupt wichtig zu wissen, wer unter einem Pseudonym schreibt?


Прочитала в “Süddeutsche Zeitung“ статью о писателях, пишущих под псевдонимами, и задумалась, так ли это необходимо выяснять настоящее имя, если писатель его сам не раскрывает.

Заметила, что некоторые современные писатели имеют несколько псевдонимов (надеюсь, они в них не запутаются) – Нина Георге пишет в разных жанрах под собственным именем и под разными псевдонимами.
У Григория Чхартишвили – три псевдонима (Борис Акунин, Анна Борисова и Анатолий Брусникин).

По моему, хорошая тема для философской монографии, или диссертации. Может быть, кому-нибудь пригодится.
Tags: lesen, круг чтения
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